“Es geht einer Gesellschaft so gut, wie sie für die Menschen sorgt, denen es schlecht geht” (Emilie Lieberherr)
“Ich bin Leben, das leben will, in mitten von Leben, das leben will!” (Albert Schweizer)
“Wo Liebe wächst, gedeiht Leben – wo Hass aufkommt droht Untergang” (Mahatma Ghandi)
“Die Demokratie ist keine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern der Sittlichkeit” (Willy Brandt)
“Wir müssen lernen, entweder als Brüder miteinander zu leben oder als Narren unterzugehen.” (Martin Luther King)
“Der Staatsdienst muss zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut werden, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist.” (Marcus Tullius Cicero)
„Zuweilen ziehen Wetterwolken am Himmel des Kapitalismus auf. Je höher die kapitalistische Sonne steigt, je blendender ihre Strahlen leuchten, umso schnellernaht der Gewittersturm. Die Wolken werden grösser und ballen sich zusammen, bis sie sich in ei-nem krachenden, verheerenden Hagelwetter entleeren.“ (Robert Grimm 1908)
"Si vis pacem, cole iustitiam" (Inschrift Friedenspalast in Den Haag)
"Kleine Schritte sind mehr als grosse Sprüche" (Willy Brandt)

Ecopop und anderer Blödsinn

Die Einwanderer sind angeblich an allem Schuld: an hohen Mieten, an der Zersiedelung der Landschaft und für die SVP neuerdings auch noch an der Atomenergie. Die neueste Antwort auf unsere hausgemachten Umweltprobleme ist die Initiative von Ecopop, welche den Bevölkerungszuwachs stark begrenzen will. Es handelt sich meiner Meinung um eine typische Schwarzpeterpolitik, die zudem gerade diejenigen Ziele gefährdet, die sie angeblich erhalten will. Ich werde den Eindruck nicht los, dass all die Politiker, Initianten und Kommentatoren meinen, wir könnten unseren Wohlstand halten, wenn wir die Zuwanderung stoppten. Dies stimmt aber nicht.

  • Die Personenfreizügigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Bilateralen Verträge. Die Kündigung der Veträge würde wegen Standortnachteilen den Wegzug grosser Teile der Wirtschaft in den EU-Raum zur Folge haben, nicht nur wegen dem einfacheren Marktzugang sondern auch wegen der besseren Verfügbarkeit der benötigten Arbeitskräfte. Ob es gelingen würde, genügend neue Arbeitsplätze in neuen Branchen zu schaffen ist deshalb sehr zweifelhaft.
  • Die Schweiz profitiert finanziell enorm von den eingewanderten Arbeitskräften, wie die Caritas kürzlich in einem Positionspapier nachgewiesen hat. Die Sozialabgaben pro Kopf wären ohne die ausländische Bevölkerung wesentlich höher. Die Einwanderer bringen zudem ihr Humankapital mit: jeder eingewanderte  deutsche Arzt hat Deutschland mehrere Hunderttausen Franken an Ausbildung gekostet.

An den Umweltproblemen ist nicht das Bevölkerungswachstum schuld, sondern unserer Wohlstand, der uns erlaubt immer mehr zu konsumieren, und unsere Laisse-Faire-Politik, die diesen Konsum nicht in gewisse Schranken weist. Um nur ein paar Beispiele zu nennen:

  • Der Treibstoffverbrauch der Autos könnte mit Verbrauchsvorschriften ohne wesentliche Komforteinbusse halbiert werden.
  • Die meisten elektrischen Geräte verbrauchen immer noch unnötig viel Strom, manchmal selbst wenn sie angeblich ausgeschaltet sind.
  • Die viel zu grosse Anzahl kleiner und kleinster Gemeinden fördert die Zersiedelung und lange Pendlerwege (in Manhatten wohnen z.B. auf dem Gebiet der Stadt Zürich dreimal mehr Einwohner).
  • Es fehlt an gemeinnützigen Wohnungen, bei welchen die Wohnfläche und Anzahl Zimmer in Abhängigkeit von der Haushaltsgrösse zugeteilt werden.
  • Zürich hat gerade entschieden, dass es auf dem Hardturm  für 140 Millionen Franken lieber ein zweites defizitäres Fussballstadion baut statt z.b. Wohnungen in Passivenergiebauweise.
  • Anstatt mit Staupricing die Kapazitäten der bestehenden Strassen besser zu nutzen, werden jedes Jahr für mehrere Milliarden Franken neue Strassen gebaut.
  • Autopendler werden mit grosszügigen Steuerabzügen begünstigt, während sich Velofahrer mit einem Minimalabzug begnügen müssen. 30% der Autofahrten sind nicht länger als 3 km, 45% nicht länger als 5 km und nur ein Drittel länger als 10km.
  • Dank hohen Subventionen ist der ÖV im Nahverkehr attraktiver als Velo und zu Fuss gehen, was zu unnötigen Kapazitätsengpässen in Spitzenzeiten führt, welche wiederum mit Subventionen behoben werden.

Nachtrag vom 22.3.2012: Es ist so still um Ecopop. Wird überhaupt noch gesammelt?

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53 comments to Ecopop und anderer Blödsinn

  • @ Jenk

    Wieso sollte eine Kündigung der PFZ ‘ruinös’ sein? Ruinös ist für mich eher, dass selbst die SP ans Märchen des ewigen Wachstums glaubt, und dass mehr Arbeitsplätze immer per se einfach gut sein sollen…

  • @ anonym wie ich schon im Hauptartikel geschrieben habe: Die Personenfreizügigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Bilateralen Verträge. Die Kündigung der Veträge würde wegen Standortnachteilen den Wegzug grosser Teile der Wirtschaft in den EU-Raum zur Folge haben, nicht nur wegen dem einfacheren Marktzugang sondern auch wegen der besseren Verfügbarkeit der benötigten Arbeitskräfte. Ob es gelingen würde, genügend neue Arbeitsplätze in neuen Branchen zu schaffen ist deshalb sehr zweifelhaft.

  • Heri Bender

    Es ist schon eigenartig, wie hier dauernd zwei Themen vermischt werden: Wirtschaftswachstum an und für sich vs. Bevölkerungswachstum in der Schweiz. Die beiden Themen haben zwar schon am Rande ein bisschen was miteinander zu tun, aber man kann doch das Wirtschaftswachstum nicht überwinden, indem man die Einwanderung begrenzt! Die Ecopop-Initiative ist nichts anderes als kaschierter Priviliegien-Erhalt der Hochwohlgeborenen Schweizer. Warum wollen denn soviele Leute in die Schweiz kommen? Es ist doch ganz einfach: Weil hier ein Teil der weltweit zusammengeraubten Reichtümer auch bis zum gemeinen Volk durchsickert.
    Machen wir uns doch nichts vor: Wir leben auf Kosten von anderen, und zwar sehr massiv. Mit Einwanderungsbeschränkung würde dieses Ungleichgewicht nur noch massiver. Wenn wir wirklich eine bessere Welt anstreben wollen, dann kommen wir nicht drum herum, dafür zu sorgen, dass es allen Menschen dieser Welt besser geht, und nicht nur uns ach so tollen Schweizern. Und wir werden auch nicht drum herum kommen, unsere gegenwärtigen Sünden (Wohlstand auf Kosten anderer) mit erheblichem Wohlstandsverlust bezahlen zu müssen.

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