Grünliberale lavieren beim Ausstieg aus der Atompolitik

(Last Updated On: März 16, 2011)

SP und Grüne fordern richtigerweise den raschen Ausstieg aus der Atompolitik. Die Grünliberalen dagegen wollen zwar kein neues AKW, dafür aber die alten AKWs weiterlaufen lassen, solange es die Sicherheit zulässt. Zitat: „In ihrer Haltung bestätigt sehen sich auch die Grünliberalen. Sie wollen die bestehenden AKW so lange weiterlaufen lassen, wie es die Sicherheit erlaubt,
aber keine neuen Anlagen mehr bauen.“ (Quelle Der Bund 16.3.2011). Woher wollen die Grünliberalen wissen, wann der Punkt gekommen ist, dass die Sicherheit den Betrieb nicht mehr zulässt?  Offensichlicht schwanken die Grünliberalen wieder einmal zwischen Geld und Umweltschutz.

Die alten AKWs sind technologisch garantiert unsicherer als ein AKW der neuesten Generation. Das Problem ist aber ja gerade, dass wir weder bei den alten noch bei den neuen wissen, wann es es zu einem GAU kommt. Risiken lassen sich zwar verkleinern,  aber nicht abschaffen. Auch bei einem AKW-Unglück muss der Schaden deshalb tragbar sein, wass er wegen der grossräumigen radioaktiven  Verstrahlung aber eben grade nicht ist. Ihre Forderung,  die Betreiber “ dem konsequenten Verursacherprinzip“ zu unterstellen,  ist doch ein Witz. Die Versicherungsprämien wären so hoch, dass der Weiterbetrieb der AKWs untwirtschaftlich wäre und man ehrlicherweise auch gleich das Abschalten der AKWs verlangen kann. Aber eben, grünliberale Politiker denken halt in ökonomischen Einheiten und nicht mit Menschenleben.

SP fordert Gesetz zum Atomausstieg (newsnetz 16.3.2011)
Der Ausstieg bekommt ein neues Leben (newsnetz 15.3.2011)

9 Kommentare

  1. Dennis Briechle

    Es sei erwähnt, dass das Zitat aus dem Bund von einem Journalisten ebendieser Zeitung stammt und so nicht der Medienmiteilung der Grünliberalen Schweiz entspricht.

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  2. Broennimann Christoph

    > Offensichlicht schwanken die Grünliberalen wieder einmal zwischen Geld und Umweltschutz.

    Nein, Herr Jenk. Wir Grünliberalen haben uns aus Anstand gegenüber den Opfern in Japan zurückgehalten und wollen zuerst die Fakten auf dem Tisch. Sie versuchen lediglich auf die Schnelle aus den schlimmen Ereignissen in Japan politisches Kapital zu schlagen. Und helfen mit Ihrem unqualifizierten Angriff kräftigst mit unser Land mit dem einfachen Links/Rechts Schematas zu polarisieren. Und Lösungen zu blockieren.

    Die Grünliberalen gehen den Weg des Machbaren. Die Lehren aus den Vorfällen in Japan werden mit grosser Wahrscheinlichkeit zur Stillegung von Mühleberg führen. Das alte Werk unterhalb der Wohlenseestaumauer in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt bietet wohl eine ähnliche Konstellation. Dies ist aber zuerst solide zu prüfen, die aktuelle Energieplanung und Versorgung müssen angepasst werden und dann kann man den Schritt machen. Dies wird sicher zu einem sofortigen Kostenanstieg führen. Wenn die Werke „subito“, wie sie das immer fordern, abgestellt werden wird es zu einer Entlassungswelle kommen. Firmen, welche nicht mehr produzieren können müssen reagieren. Vetreten Sie den unsere Arbeitnehmer nicht mehr?

    Die Grünliberalen haben grosses Vertrauen in die BKW und die Aufsichtsbehörden, dass sie diese Arbeit raschmöglichst und absolut seriös angehen. Ohne die schlimmen Ereignisse und ohne Einfluss der Politik wurden ja bereits die Massnahmen mit den Reservepumpen umgesetzt… in unseren Augen eben der Beweis, dass da grösstmögliche Sorgfalt angewendet wird.

    Wir sind uns einig im Ziel, bei uns steht aber die Lösung und nicht das billige politische Kesseltreiben im Vordergrund.

    Brönnimann Christoph, Leiter Energiegruppe glp Bern, NICHT Kandidat irgendwelcher Wahlen…

    Mehr zu unseren Ideen und Überlegungen:
    http://www.be.grunliberale.ch/muehleberg.htm

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  3. Harald Jenk

    @Brönnimann

    Zuwarten bringt nichts, man muss das Eisen schmieden solange es heiss (siehe Banken). Die Befürworter der Atomkraft versuchen ja jetzt lediglich auf Zeit zu spielen. Man braucht di Untersuchungsresultate zum Unglück in Fukushima auch gar nicht abzuwarten, Atomkraftwerke verursachten und verursachen auch ohne diese Katastrophe untragbare Risiken. Da gibt es nichts zu lernen, ausser dass man endlich handeln muss. Vertrauen in diese Technologie und deren Betreiber war schon immer, ist und bleibt eben gerade falsch und gefährlich.

    Gaskraftwerke sind meiner Meinung nach eine durchaus geeignete, schnell zu realisierende und preisgünstige Übergangstechnologie mit tragbaren Risiken. Die Mehremissionen an CO2 können durch forcierte Sanierungsmassnahmen an Gebäuden und Verbrauchsvorschriften für Neuwagen problemlos eingespart werden, wenn man nur will, was erst noch viel mehr Arbeitsplätze schafft als die Atomtechnologie.

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  4. Thomas Kalau

    Grüezi Herr Jenk
    Ich schätze Sie als differenzierten Kommentator (politnetz), aber offensichtlich sind Sie nun voll und ganz im Wahlkampffieber (und vergessen gleichzeitig, dass die glp Ursula Wyss im zweiten SR-Wahlgang als einzige Mittepartei offiziell unterstützte).

    Aber lassen wir das. Woher nehmen Sie die 5 Gaskraftwerke, wenn Sie morgen 5 Schweizer AKWs vom Netz nehmen? Und wie stellen Sie sich den Gesetzgebungsprozess i.S. Sanierungsmassnahmen an Gebäuden und Verbrauchsvorschriften für Neuwagen vor? Als Grossrat (Gesetzgeber) lassen Sie mit Ihrem obigen Kommentar politische Weitsicht vermissen.

    Die glp ist gegen AKW-Neubauten und für forcierte Entwicklung von und Investitionen in nachhaltige und umweltschonende Energieträger. Uns zu den Atomkraftbefürwortern zu schlagen ist einfallslose Wahlkampftaktik.

    Fährt Ihr Familienauto umweltneutral?

    Herzliche Grüsse
    Thomas Kalau, glp Oberaargau (nicht NR-Kandidat)

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  5. Harald Jenk

    @Thomas Kalau
    Ich fordere den raschen nicht den sofortigen Atomausstieg. Die Grünliberalen wollten dagegen „nach einer profunden Analyse der Krise eine sachliche Diskussion
    über allfällige Rückschlüsse und Massnahmen für die laufenden Kernkraftwerke in der Schweiz führen“ (Pressemitteilung). Offensichtlich wissen sie eben nicht, was sie wollen, oder was soll das Wort „allfällig“ bedeuten. Es ist doch absurd, wenn man die GLP wegen dem Restrisiko keine neuen AKWs will, und sich nicht dazu durchringen kann, die gefährlicheren alten rasch abzustellen.

    Ich habe kein Familienauto, ab und zu mietet meine Frau ein mobility-Fahrzeug

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  6. Thomas Kalau

    Es geht uns um „allfällige“ Rückschlüsse und Massnahmen… – nicht um einen „allfälligen“ Ausstieg aus der Atomkraft. Letzerer ist für uns klar das Ziel, aber nicht morgen, sondern übermorgen, wenn wir sukzessive den Strom durch andere Quellen bereit stellen können. Schlüsselwort „sukzessiv“.

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  7. Broennimann Christoph

    Der Zusammenhang schlecht gebaute Staumauer am Wohlensee (Kriegsbauwerk 1. Weltkrieg), Riss im Reaktor (wie erdbebensicher ist die vom TüV bemängelte Verankerung?) und Verstopfung der SUSAN Wasserzufuhr könnte tatsächlich ein hohes Sicherheitsrisiko darstellen. Da haben Sie absolut recht und da sind wir uns einig.

    Ich bin persönlich überzeugt, dass die BKW nach Besten Wissen und Gewissen alles macht, was ihnen notwendig erscheint. Ich bin aber ebenso überzeugt, dass einer Firma der externe Blick zur abschliessenden Beurteilung grundsätzlich gar nicht möglich ist.
    Im „Der Bund“ von heute 19.3.2011 ist ein Bericht über die Nachforschungen von Markus Kühni, welcher einen sehr wertvollen Beitrag als Querdenker geleistet hat. Soweit zu unserer Denkweise.

    Es gibt aber noch ein ablauftechnisches Problem, welches Sie nicht beachten. Deshalb schiessen Sie auch so unüberlegt gegen die glp aus allen Rohren und werden weitere Ihrer Wähler verlieren, welche diesen Blog lesen.
    Martin Bäumle hat es gestern in der Arena sehr gut auf den Punkt gebracht: bei einer Airline heisst Safety First ein grounding. So ist es auch hier.
    Haben sie aber je gehört, dass Passagiere Flugzeuge mit Fallschirm verlassen müssen, nur weil ein anderes abstürzte? Oder dass man diese über dem Meer abschiesst, nur weil sie sonst auf eine Stadt abstürzen könnten?
    Nein, oder? Zuerst wird geprüft, was die Fakten sind. Dann wird entschieden.
    Dass dies nicht Monate dauern kann ist klar. Weiter muss man den EVU’s auch die Zeit lassen, die Ersatzbeschaffung zu regeln und die Tarife anzupassen.

    Wir sind klar für dem Atomausstieg und haben nie etwas anderes kommuniziert. So gesehen ist Ihr Angriff auf die „lavierenden Grünliberalen“ doch eher was Sie mit dem Angriff meinten, eben ein lavieren. Schade, das wollten sie ja eigentlich nicht. Oder doch?

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  8. Harald Jenk

    Ich habe mal wieder die akutellen Pressemitteilungen der GLP zum AKW-Ausstieg (23. März, 9. April) gelesen: Keine Abgaben zu einem konkreten Jahr für die AKW-Abschaltung, dafür ist die Rede von Restlaufzeiten obwohl fast alle AKW über eine unbefristete Betriebsbewilligung verfügen. Wer sich auf die Diskussion auf Gewährleistung der Sicherheit und Nachrüstung einlässt, hat in der AKW-Debatte gegenüber den AKW-Betreibern aber schon verloren, da es 100% Sicherheit nicht gibt. Enteder ist Bäumle naiv oder er spielt auf Zeit, weil er andere Ziel verfolgt.

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  9. Matthias Kuyper

    Ein sofortiges abschalten der AKW ist erstens nicht möglich nd zweitens nicht umweltfreundlich. Ein schrittweiser Ausstieg ist ökologisch und ökonomisch sinnvoller. Oder kaufen Sie bei jeder effizienzsteigerung bei den Kühlschränken einen neuen?

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