
Ist ihnen die Werbung für Railcity Bern mit dem Spruch „Unser Einkaufstempel“ auch aufgefallen? Ich werde auf meine alten Tage wohl zum Kulturpessimisten oder vielleicht ist es auch nur eine Folge des langen Winters, jedenfalls ist mir die aktuelle Kampagne für das Railcity genannte Einkaufszentrum Bahnhof Bern schräg eingefahren. Da die Werber aber normalerweise ein gutes Gespür für das Befinden der Gesellschaft haben, muss wohl auch ich mich damit abfinden, dass materielle Dinge die heutigen Götter sind und die Einkaufszentren wie Railcity eben ihr Tempel. Da trifft es sich ja auch ganz ausgezeichnet, dass Railcity wie die Kirchen auch am Sonntag geöffnet hat.
Ist es nicht sonderbar, dass ausgerechnet in einer Gesellschaft mit materiellem Überfluss die Konsumgüter angebetet werden, Verkäufer die Funktion von Priestern haben und Einkaufszentren zu Tempeln erklärt werden? Dabei könnte man doch meinen, dass gerade wenn es nicht am Lebensnotwendigen mangelt, die Menschen mehr Musse und Interesse für Philosophie und Religion haben könnten.