Selbstfahrende Autos – eine grosse Chance für den Umweltschutz und lebenswerte Städte und Dörfer

(Last Updated On: Mai 12, 2015)

Seit heute kurvt dank der Swisscom auch in der Schweiz ein selbstfahrendes Auto herum. Bis vor kurzem war ich sehr skeptisch, ob selbstfahrende Autos ausserhalb von einfachen Verkehrssituationen wie einer Autobahn überhaupt funktionieren können. Was ich in den letzten Monaten aber gelesen habe, stimmt mich optimistisch. Die selbstfahrenden Autos haben das Potential, unser Verkehrssystem noch einmal zu revolutionieren und viel effizienter und menschenfreundlicher zu machen.

Selbstfahrendes Auto von Swisscom (Quelle Swisscom)

Mein Wunschszenario sieht etwa wie folgt aus:

  • Selbstfahrende Autos lösen den privaten Motorfahrzeugverkehr, den ÖV ausserhalb der Spitzenstunden und die Taxis ab. Sie funktionieren wie eine Kombination von Taxis und Rufbussen, welche die Passagiere auf Bestellung abholen aber unterwegs noch Passagiere zuladen können, welche in dieselbe Richtung fahren. Damit braucht es viel weniger Autos als heute.
  • Da die selbstfahrenden Autos von Organisationen wie Mobility betrieben werden, sind sie kein Statussymbol mehr und ihre Gestaltung, Motorisierung und Fahrstil orientiert sich einzig an ihrer Transportfunktion, was viel sparsamere, saubere und leisere Fahrzeuge ermöglicht.
  • Es gibt viel weniger Unfälle mit Fussgängern und Velofahrern, da deren Vortrittsrechte respektiert werden und mit genügend Abstand überholt wird. Kinder können wieder unbegleitet zur Schule gehen und das Velofahren wird attraktiver.
  • Die Städte und Dörfer werden menschenfreundlicher, da die bestehenden Parkplätze zu breiteren Trottoirs oder Plätzen umgenutzt werden können, weil die Fahrzeuge nicht mehr 23 Stunden am Tag nur Stehzeuge sind und während Zeiten mit tiefer Nachfrage in den bestehenden unterirdischen Garagen genügend Platz vorhanden ist.
  • Die Mobilität von älteren Leuten bleibt vollumfänglich erhalten, auch wenn sie nicht mehr selber fahren können, da sie auf selbstfahrende Autos umsatteln können.
  • Auf die Verschwendung von weiteren Milliarden für den Ausbau der Autobahnen und die Erstellung von Parkplätzen kann verzichtet werden, da der Belegungsgrad der Autos steigt und die Autos in Konvois mit kleinem Abstand fahren können.
  • Die Transportkosten sinken, weil ein Fahrzeug viel mehr Transportleistung erbringt als heute, der ÖV nicht mehr subventioniert werden muss und Milliarden an Unfallkosten wegfallen.
  • Da die Kosten kilometergenau abgerechnet werden und bei den Haushalten keine hohen Fixkosten mehr anfallen, wird für kürzere Strecken vermehrt das Velo oder E-Bike gebraucht.

Die grosse Frage ist, wie das menschenfreundliche Potential der selbstfahrenden Autos realisiert werden kann. Die Widerstände werden gross sein, da viele Branchen (Automobilhändler, -Fahrschullehrer, Taxibetreiber, Strassenbauer, Versicherer, ÖV-Betreiber) viel Geld zu verlieren haben. Als erstes könnte ein Moratorium für den weiteren Ausbau der Autobahnen erlassen werden, denn Konvoifahrten sollten in jedem Fall zum Standard werden. In den Städten und Dörfern könnten versuchsweise einzelne Quartierstrassen nur noch für selbstfahrende Autos zugelassen werden, was diese Strassen und Quartiere viel attraktiver macht und die Forderung nach mehr solchen Strassen laut werden lassen wird. Der Carsharingbetreiber Mobiltiy stellt auf selbstfahrende Autos um, was die Nachfrage nach seinen Diensten explodieren lassen wird, da viele ältere Autobesitzer freiwillig auf ihr Auto verzichten werden, wenn sie trotzdem von zu Hause aus mit dem Auto unterwegs sein können. Die wachsende zeitliche Verfügbarkeit der selbstfahrenden Autos ermöglicht auch Pendlern mit der Zeit den problemlosen Verzicht auf das eigene Auto und dann kann man während der Fahrt erst noch legal telefonieren oder die Zeitung lesen.

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